Juckreiz als Foltermethode    

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Gestern konnte ich den ersten und wichtigsten Teil der Hyposensibilisierung abschließen: mit 200µg Bienengift, etwas Antihistamin und einer handvoll Rezepten für weiteres Gift (zur ambulanten Fortführung der Behandlung), verschiedene Komponenten für das Notfallset (falls doch nochmal eine Reaktion auftritt) und für Mittelchen gegen den elendigen Juckreiz, konnte ich gegen Mittag die Klinik verlassen. Ein gutes Gefühl, denn schon jetzt ist es zu über 90% sicher, dass mein Körper sich nicht mehr derart unverhältismäßig gegen ein bisschen Bienengift wehren wird.

Nur der Juckreiz, der Juckreiz, der Juckreiz! Es ist kaum auszuhalten! Ich kann nun ein klein wenig nachempfinden, wie schrecklich geplagt Neurodermitiker sind, die sich ständig mit dem Juckreiz auseinandersetzen müssen. Furchtbar! Man könnte Menschen foltern damit. Wurde das vielleicht sogar schon angewendet? Ich weiß es nicht. Einschlafen ging nur, wenn die Arme mit Kühlbeuteln betäubt wurden. Doch einmal nachts aufgewacht, ist es vorbei mit dem Schlafen. Auch dieses Übel wird in einigen Tagen vorrüber sein.

Hitze ist besser als kühlen

Gestern beim Abschlussgespräch fragte ich die Ärztin, warum man bei Insektenstichen eigentlich empfehle zu kühlen. Ich bin nämlich der Meinung – unter anderem aus einigen Selbstversuchen – das Wärme viel sinnvoller ist! Die Insektengifte, darunter auch das Bienengift, bestehen zu einem Großteil aus Proteinen. Und Proteine sind in der Regel ziemlich temperaturempfindlich, das heißt, bei höheren Temperaturen denaturieren sie. Das ist bei Insektenstichen auf jeden Fall wünschenswert, denn so kann das Gift, das ja nur oberflächlich injiziert wird, seine Wirkung gar nicht voll entfalten. Ich habe mir in der Vergangenheit damit beholfen, die gestochene Stelle an ein in der Sonne parkendes Auto zu drücken, von der Sonne aufgeheizte Steine aufzulegen oder einfach heißes Wasser darüber laufen zu lassen. Das ist zwar im ersten Moment unangenehm, doch es tritt keine so starke Schwellung und Juckreiz usw. auf, wie unbehandelt oder „nur“ gekühlt. Die Ärztin hielt meine Theorie für logisch, allerdings hatte sie das noch nie hinterfragt.

Etwas später erzählte ich meine Theorie dem Hypo-Kollegen, der gleichzeitig Imker ist und er zeigte mit einen Artikel aus dem aktuellen Septemberheft des „Imkerfreundes“, in dem es genau darum ging. Es gibt sogar inzwischen ein kleines Gerät (bite away), das die Haut an der Einstichstelle auf etwa 50°C erhitzt. Hätte ich mich doch vor 15 Jahren, als ich erstmals mit meinen Selbstversuchen mit Hitze bei Stichen begann, um eine ordentliche Produktentwicklung gekümmert, ich könnte jetzt reich sein…

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