Skiunfälle sind Knieunfälle    

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Skiunfälle sind Knieunfälle

Der warme Winter mit wenig Schnee in tieferen Lagen und Skigebieten hat vielleicht einen Vorteil: Er könnte langwierige Verletzungen verhindern, die sonst auf den Pisten passieren. Die Verteilung der Häufigkeiten zeigt, dass Skiunfälle bevorzugt Knieunfälle sind. Bei Frauen betreffen mehr als die Hälfte (!!) aller Verletzungen das Knie. Bei Männern sind es 28 Prozent der Verletzungen.

Skiunfälle sind KnieunfälleNun fragt man sich, warum vor allem Frauen von Knieverletzungen betroffen sind – schließlich fahren sie im Durchschnitt langsamer und umsichtiger als Männer. Zum einen liegt das an der Muskulatur, den Bändern und auch – man höre und staune – am Menstruationszyklus. In der prä-ovulatorischen Phase, also vor dem Eisprung, ist die Wahrscheinlichkeit, sich das vordere Kreuzband zu verletzten, höher, als nach dem Eisprung. Doch damit nicht genug. Die körperlichen Gegebenheiten lassen sich nun mal nur in einem gewissen Rahmen ändern. Doch weitere Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Einstellung der Skibindung, die einer DIN Norm folgt, für Frauen nicht geeignet ist. Es wurde nämlich festgestellt, dass bei Frauen mit Kreuzbandverletzungen häufiger die Bindung nicht ausgelöst hat. Eine aktuelle Untersuchung von Prof. Martin Burtscher vom Institut für Sportwissenschaft der Universität Innsbruck und eine französische Untersuchung aus dem Jahr 2006 kommen zu dem Ergebnis, dass früheres Auslösen der Bindung zu weniger Knieverletzungen bei Frauen führt. Und das, ohne dass die Anzahl anderer Verletzungen zugenommen hätte. Das wäre theoretisch möglich, wenn eine Bindung zu früh auslöst. „Man wird ernsthaft diskutieren müssen, ob die empfohlenen Werte nach ISO Norm 11088 für die Bindungsauslösung bei Frauen und Kindern um ca. 10 bis 15 Prozent herabgesetzt werden sollten“, erklärt Prof. Burtscher gegenüber der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin, für die ich dieses Interview geführt habe.

Beim nächsten Skiservice sollte frau vielleicht darauf hinwirken, dass die Bindungsauslösung einen Ticken leichter eingestellt wird. Grundsätzlich aber sind schwere Skiverletzungen trotz allem selten: Bei 50 Millionen Personenskitagen in Österreich pro Jahr und ca. 50.000 Skiverletzten muss man bei 10 Skitagen pro Jahr also statistisch betrachtet 100 Jahre Skifahren, um eine Verletzung zu erleiden.

Mehr spannende Informationen und Entwicklungen rund um Skiverletzungen (z.B. zur Präventhese) gibt es im Artikel der Deutschen Zeitschrift für Sportmedizin.

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